Freitag, 19. Juni 2009

Bahn fahren

Seit gut einem Jahr bringen mich nun mehrheitlich öffentliche Verkehrsmittel zur Arbeit und zurück. Dabei scheinen Busse und Bahnen keinen guten Ruf zu genießen. Viele Leute reagieren mit mitleidigen Blicken wenn sie davon erfahren. Aber Bahn-fahren ist äußerst interessant! Selten trifft man auf so unterschiedliche Personen und Persönlichkeiten. Morgens mehr die Berufstätigen, Rentner und Studenten. Abends dann vermehrt Schüler auf dem Weg zur Kneipe oder Disco und einzelne Workaholics mit gläsernen Blicken. Man trifft auch mehr oder minder begabte Musikanten, zerstreute Großmütter ("...ist das hier nicht die S-Bahn nach ...?") oder gelangweilte Arbeitslose. Leute, die man ansonsten eben nicht treffen würde: Das ist das wahre Leben(tm)!

Fahre ich stattdessen mal mit dem Auto zur Arbeit, merke ich erst den Unterschied: Abgeschottet von der realen Welt, berieselt von ausgewählter Musik und dank Klimaanlage in perfekter Atmosphäre. Von Garage zu Garage.

Da verpasst man was.

Freitag, 5. Juni 2009

Pflanzenfette entzaubert

Fett, meist in Form von Fettsäuren, hat immer noch keinen guten Ruf. Insbesondere tierische Fette und die sog. gesättigten Fettsäuren gelten als gefährlich für die Gesundheit und auch das Cholesterin wartet in weiten Kreisen noch auf seine Rehabilitierung. Dagegen gelten pflanzliche Fette oft als gesündere Alternative: Wenn schon Fett, dann aber pflanzliches.

Nun, so schön einfach das auch wäre, die Realität sieht anders aus. Es gibt trotz langer Suche keine Hinweise darauf, dass pflanzliche Fette für Menschen gesünder wären als tierische.

So führte etwa das "U.S. National Heart, Lung and Blood Institute" im Jahre 1982 eine Studie genannt "Multiple Risk Factor Intervention Trail" (MRFIT) an ca. 13000 Männern durch. Mit dieser Studie wollte man beweisen, dass eine bestimmte Art von Ernährung das Risiko an Herzkrankheiten oder Herzinfarkten zu sterben reduzieren könne. Zu diesem Zweck reduzierte man in der einen Gruppe den gesamten Fettanteil, die gesättigten Fettsäuren und die Cholesterin-Zufuhr. Stattdessen wurde der Anteil von Gemüse, Vollkorn, Früchten und Ballaststoffen erhöht. Statt gesättigten Fettsäuren und Cholesterin wurden mehr pflanzliche Fette konsumiert. Zusätzlich wurde dieser Gruppe dazu geraten, mit dem Rauchen aufzuhören.

Der zweiten Gruppe (der Kontrollgruppe) wurde nur mitgeteilt, einfach so weiterzumachen wie bisher, eben jetzt unter ärztlicher Aufsicht.

Nach 6 Jahren hatten 46% der Beteiligten in der ersten Gruppe aufgehört zu rauchen, in der Kontrollgruppe waren es nur 29%. Die erste Gruppe hatte zudem ihre Cholesterin-Zufuhr um 40% und den Anteil gesättigter Fettsäuren um 1/4 zurückgefahren, während Sie den Konsum von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (omega-6) im Vergleich zur Kontrollgruppe um 1/3 erhöhte.

Das Ergebnis? Nach sieben Jahren lag die Sterberate der ersten Gruppe bei 41.2 unter 1,000 und in der Kontrollgruppe bei 40.4. Ein Wert, der statistisch nicht relevant ist. Auch was die Herzinfarkte anging gab es zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied [1]. Der Ausgang der Studie passte den Autoren damals überhaupt nicht ins Konzept und so wurde versucht, durch allerlei mathematische Kniffe und komplizierte Formulierungen das Ergebnis zu relativieren.

In einer weiteren Studie im Jahre 2006, an der diesmal ~ 48000 Frauen mitwirkten, wurde dieses Ergebnis bestätigt. Nach 6 Jahren nahmen die Frauen diesmal 22% weniger Fett, 23% weniger gesättigte Fettsäuren, 20% weniger Cholesterin, 15% mehr Kohlenhydrate, 22% mehr Früchte und Gemüse, sowie etwas mehr Ballaststoffe und Vollkorn-Getreide zu sich.

Dies alles führte auch nach 8 Jahren zu keiner signifikanten Abnahme von Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfällen oder Herz-Gefäßerkrankungen. Die Sterberate war 4.9 zu 5.0.

Was lässt sich aus all dem ableiten? Das mit den "guten" und "schlechten" Fetten ist leider nicht so einfach. Allerdings gibt es Unterschiede, die auch eine Rolle spielen. So stellte sich bei der MRFIT-Studie quasi nebenbei heraus, das die Teilnehmer, welche den höchsten Anteil an Omega-3-Fettsäuren zu sich genommen hatten, eine 22% niedrigere Sterberate und um 40% weniger an Herz-Gefäßerkrankungen litten.

Es scheint also, als müssten wir unsere Aufmerksamkeit eher den mehrfach ungesättigten Fettsäuren zuwenden.

Fortsetzung folgt....


[1] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3519736